Der alternative Armutsbericht von LATET

Der Alternative Armutsbericht von LATET gehört zu den wichtigsten unabhängigen Studien über Armut und soziale Ungleichheit in Israel. Die 23. Ausgabe analysiert die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen des Jahres 2025 und zeigt, wie sich steigende Lebenshaltungskosten, die Folgen des Krieges und wirtschaftliche Unsicherheit auf das Leben vieler Menschen auswirken.

Der Bericht ergänzt die offiziellen Armutsstatistiken um eine ganzheitliche Betrachtung der Lebensrealität von Menschen in Armut. Neben dem Einkommen untersucht er auch die Auswirkungen auf Wohnen, Ernährung, Gesundheit, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Ziel ist es, ein umfassendes Bild der sozialen Lage in Israel zu vermitteln und Ursachen sowie Folgen von Armut sichtbar zu machen.

Wissenschaftliche Grundlage

Der Bericht basiert auf mehreren Studien, die gemeinsam ein umfassendes Bild der sozialen Situation in Israel zeichnen. Dazu gehören:

  • Studie zu Unterstützungsempfängern – dokumentiert die Lebenssituation von Familien und Einzelpersonen, die von Partnerorganisationen von LATET unterstützt werden.
  • Umfrage zur öffentlichen Wahrnehmung – untersucht die Einstellung der israelischen Bevölkerung zu Armut, sozialer Ungleichheit und der Verantwortung des Staates.
  • Bericht zur Ernährungsunsicherheit – analysiert die Verbreitung und die Folgen mangelnder Ernährungssicherheit.
  • Studie zu den Lebenshaltungskosten – berechnet die Mindestkosten für ein menschenwürdiges Leben sowie die Kosten eines durchschnittlichen Lebensstandards in Israel.

Mehr als eine Statistik
Der Alternative Armutsbericht geht weit über die Darstellung statistischer Daten hinaus. Er zeigt, wie Armut den Alltag der Menschen beeinflusst und welche wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Faktoren dazu beitragen, dass viele Familien dauerhaft in finanzieller Not leben.

Impulse für Politik und Gesellschaft
Der Bericht versteht sich zugleich als Grundlage für politische Entscheidungen. Seit vielen Jahren entwickelt LATET Vorschläge zur Armutsbekämpfung und bringt diese in den gesellschaftlichen und politischen Dialog ein. Bereits 2004 empfahl LATET die Einrichtung einer Nationalen Behörde zur Armutsbekämpfung – ein Ziel, das zwanzig Jahre später mit der Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes erreicht wurde.

Auch die aktuelle Ausgabe enthält konkrete Empfehlungen für eine langfristige Sozialpolitik. Sie macht deutlich, dass Armut nur durch das gemeinsame Handeln von Politik, sozialen Organisationen und der Zivilgesellschaft wirksam bekämpft werden kann.

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Wichtige Ergebnisse

Nur 18,7 % der Haushalte, die Unterstützung erhalten, verfügen über einen bombensicheren Raum in ihrem Zuhause; in der Gesamtbevölkerung sind es 42,6 %.

47 % der unterstützten Eltern geben an, dass sie aufgrund finanzieller Not auf den Kauf von Säuglingsnahrung verzichten oder ihren Kindern weniger als die empfohlene Menge geben mussten.
Die schulischen Leistungen von 41,5 % der unterstützten Kinder haben sich infolge des Krieges erheblich oder stark verschlechtert; in der Gesamtbevölkerung liegt dieser Anteil bei 18,4 %.

91,1 % der älteren Empfänger von Hilfsleistungen geben an, dass sie sich die benötigte häusliche Pflege oder Unterstützung nicht leisten können.

Obwohl in 83,2 % der unterstützten Haushalte im erwerbsfähigen Alter mindestens eine Person erwerbstätig ist, leben diese Familien weiterhin in Armut.

In 41 % der unterstützten Familien war mindestens ein Kind gezwungen, ins Erwerbsleben einzutreten – das ist der 2,4-fache Wert im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (17,2 %).

61,9 % beschreiben ihren psychischen Zustand als „nicht gut“; das ist das 2,8-Fache des Wertes in der Gesamtbevölkerung (22,1 %).

42,4 % der Empfänger von Hilfsleistungen und 45,9 % der älteren Empfänger berichten von einer Verschlechterung ihres psychischen Zustands seit Kriegsbeginn.

59,6 % der Empfänger von Hilfsleistungen geben an, dass sich ihre wirtschaftliche Lage im vergangenen Jahr verschlechtert hat; in der Gesamtbevölkerung sind es 36,5 %.

24,3 % der Empfänger von Hilfsleistungen sind seit Ausbruch des Krieges vor zwei Jahren auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Lebenshaltungskosten in Israel

Die Schätzung der Lebenshaltungskosten ist eine umfassende Studie, die ein aktuelles und realistisches Bild der Lebenshaltungskosten in Israel vermittelt. Sie analysiert die Auswirkungen von Armut und steigenden Lebenshaltungskosten auf das Wohlergehen der Haushalte und liefert Entscheidungsträgern eine aktuelle Datengrundlage für die Gestaltung der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Gleichzeitig trägt sie zum öffentlichen Diskurs über Themen wie Mindestlohn, Sozialleistungen und staatliche Ausgaben bei.

Die Studie umfasst zwei Berechnungsmodelle. Zum einen werden die minimalen Lebenshaltungskosten ermittelt, die den finanziellen Bedarf für eine grundlegende Lebensführung abbilden und als alternative Armutsgrenze dienen. Zum anderen werden die normativen Lebenshaltungskosten berechnet, die den finanziellen Aufwand für einen Lebensstandard auf dem Niveau eines durchschnittlichen Haushalts der Mittelschicht in Israel widerspiegeln.

Beide Berechnungen orientieren sich an internationalen Standards und wurden sowohl für Einzelpersonen als auch für einen Vierpersonenhaushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern durchgeführt.

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Lebenshaltungskosten

Die hohen Lebenshaltungskosten stellen für viele in Armut lebende Familien eine der wesentlichen Ursachen ihrer wirtschaftlichen Not dar. Dies zeigt sich in der Verschlechterung ihrer Lebensumstände, von der zahlreiche Unterstützungsempfänger im vergangenen Jahr berichteten.

Der anhaltende Anstieg der Lebenshaltungskosten im Verhältnis zum Einkommen belastet die finanzielle Stabilität der Haushalte zunehmend. Die Folgen sind finanzielle Engpässe, Kontosperrungen und eine wachsende Schuldenlast. Gleichzeitig bleibt kaum Spielraum, Ersparnisse zu bilden, wodurch die Fähigkeit der Familien, wirtschaftliche Krisen zu bewältigen, weiter eingeschränkt wird.

Die Auswirkungen der hohen Lebenshaltungskosten sind auch im Alltag und für das persönliche Wohlbefinden deutlich spürbar. Viele Unterstützungsempfänger berichten von zunehmenden finanziellen Sorgen und einer wachsenden emotionalen Belastung. Hinzu kommen anhaltende Schwierigkeiten, die laufenden Lebenshaltungskosten trotz knapper finanzieller Mittel zu decken.

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Wohnbedingungen

In Armut lebende Haushalte sehen sich in ihrem Wohnumfeld täglich mit Widrigkeiten konfrontiert, die ihre Lebensqualität einschränken und ihre Stabilität beeinträchtigen. Dauerhafte Instandhaltungsprobleme, die aus finanziellen Gründen ungelöst bleiben, gehören für viele zum Alltag. Zudem sind zahlreiche Familien aufgrund fehlender Schutzräume in Notfällen besonderen Risiken ausgesetzt.

Diese Lebensbedingungen haben auch soziale und emotionale Folgen: Viele Familien schämen sich für den Zustand ihrer Wohnung und laden deshalb keine Gäste mehr ein. Dies verstärkt ihr Gefühl der Isolation zusätzlich.

Schwierigkeiten bei der Bezahlung von Stromrechnungen sowie wiederkehrende Stromabschaltungen verdeutlichen die prekäre Lebenssituation vieler Betroffener. Hinzu kommt die ständige Sorge vor einer Zwangsräumung aufgrund ausstehender Miet- oder Hypothekenzahlungen, wodurch das Gefühl der Unsicherheit weiter wächst.

In der Summe führen diese Faktoren dazu, dass das Zuhause – eigentlich ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit – für viele in Armut lebende Familien diese Funktion nicht mehr erfüllen kann.

Ernährungssicherheit

Die Ernährungssicherheit in Israel hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Die Folgen des Krieges sowie die anhaltend steigenden Lebenshaltungskosten haben dazu geführt, dass immer mehr Haushalte in finanzielle Not geraten.

Besonders Familien, die bereits in Armut leben, sind von Ernährungsunsicherheit betroffen. Viele müssen ihre Ausgaben für Lebensmittel drastisch reduzieren und verzichten auf wichtige Anschaffungen wie Säuglingsnahrung oder ausgewogene Mahlzeiten für ihre Kinder.

Da ein großer Teil des ohnehin knappen Einkommens für Lebensmittel aufgewendet werden muss und die Preise für Grundnahrungsmittel weiter steigen, bleibt kaum finanzieller Spielraum für eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung. Viele Familien sind deshalb auf Lebensmittelhilfen und andere Unterstützungsangebote angewiesen.

Obwohl den meisten Betroffenen bewusst ist, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung für ihre Gesundheit ist, lassen finanzielle Engpässe häufig keine andere Wahl. Für viele Familien wird die tägliche Versorgung mit ausreichend Lebensmitteln zu einer ständigen Herausforderung.

Die Folgen reichen weit über den Hunger hinaus. Eine dauerhaft unzureichende Ernährung beeinträchtigt die körperliche und seelische Gesundheit und wirkt sich insbesondere auf die Entwicklung und Zukunftschancen von Kindern aus.

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Bildung

Armut beeinträchtigt die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen erheblich. Vielen Familien fehlen die finanziellen Mittel, um ihren Kindern die gleichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schulbildung zu ermöglichen wie anderen Schülerinnen und Schülern.

Bereits zu Beginn des Schuljahres geraten viele Familien unter Druck. Schulmaterialien, Bücher, Computer oder notwendige Schulgebühren sind für sie oft kaum bezahlbar. Auch Nachhilfeunterricht, außerschulische Aktivitäten oder Förderprogramme bleiben vielen Kindern aus finanziellen Gründen verwehrt. Dadurch vergrößern sich die Bildungs- und Entwicklungschancen zwischen einkommensschwachen und finanziell besser gestellten Familien.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Kinder und Jugendliche zum Familieneinkommen beitragen müssen. Sie arbeiten neben der Schule, um ihre Eltern finanziell zu unterstützen – häufig zulasten ihrer schulischen Leistungen und ihrer persönlichen Entwicklung.

Die Folgen des Krieges seit dem 7. Oktober 2023 haben diese Situation zusätzlich verschärft. Viele Familien berichten von sinkenden schulischen Leistungen ihrer Kinder, einer zunehmenden emotionalen Belastung und einer eingeschränkten sozialen Teilhabe.

Der Alternative Armutsbericht macht deutlich, dass Bildung weit mehr ist als eine finanzielle Herausforderung. Fehlende Bildungschancen wirken sich langfristig auf die persönliche Entwicklung, die beruflichen Perspektiven und die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen aus. Armut kann so über Generationen hinweg weitergegeben werden.

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Gesundheit

Armut und Gesundheit stehen in einem engen Zusammenhang. Menschen, die in Armut leben, leiden deutlich häufiger unter chronischen Erkrankungen und einem schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand als der Durchschnitt der Bevölkerung. Gleichzeitig erschweren gesundheitliche Probleme den Alltag, die Erwerbstätigkeit und die finanzielle Stabilität der Betroffenen.

Viele Familien können sich notwendige Medikamente, medizinische Behandlungen oder psychologische Unterstützung nicht leisten. Aus finanziellen Gründen verzichten sie auf dringend benötigte Untersuchungen oder Therapien – oft mit langfristigen Folgen für ihre Gesundheit.

Der Alternative Armutsbericht zeigt, dass Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, ihren körperlichen und seelischen Gesundheitszustand deutlich schlechter einschätzen als die Allgemeinbevölkerung. Die Auswirkungen des Krieges seit dem 7. Oktober 2023 haben diese Situation zusätzlich verschärft. Viele Betroffene berichten von einer weiteren Verschlechterung ihres psychischen Wohlbefindens.

So entsteht ein Teufelskreis: Armut erschwert den Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung, während gesundheitliche Probleme gleichzeitig die Chancen auf finanzielle Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe weiter verringern. Ohne ausreichende medizinische und psychologische Unterstützung wird es für viele Menschen immer schwieriger, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

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Arbeit und soziale Absicherung

Erwerbstätigkeit schützt nicht automatisch vor Armut. Der Alternative Armutsbericht zeigt, dass in den meisten von Armut betroffenen Haushalten mindestens eine Person arbeitet. Dennoch reicht das Einkommen häufig nicht aus, um die Familie finanziell abzusichern.

Viele Menschen sind in befristeten Beschäftigungsverhältnissen oder auf Stunden- und Tagesbasis tätig. Ihre Arbeitszeiten hängen oft vom Bedarf des Arbeitgebers ab, wodurch das Einkommen von Monat zu Monat schwankt. Diese Unsicherheit erschwert eine verlässliche Finanzplanung und erhöht das Risiko, den Arbeitsplatz zu verlieren.

Die Folgen des Krieges seit dem 7. Oktober 2023 haben diese Situation zusätzlich verschärft. Mehr als die Hälfte der unterstützten Haushalte berichtet von Unterbrechungen ihrer Erwerbstätigkeit seit Beginn des Krieges. Viele Familien sind dadurch noch stärker auf finanzielle Unterstützung und soziale Hilfsangebote angewiesen.

Auch staatliche Sozialleistungen spielen eine wichtige Rolle, um Armut zu lindern. Dennoch gelingt es vielen Betroffenen nicht, ihre Ansprüche vollständig geltend zu machen. Fehlende Informationen, komplizierte Antragsverfahren und unzureichende Beratung erschweren den Zugang zu den verfügbaren Leistungen.

Der Bericht macht deutlich, dass Arbeit allein häufig nicht ausreicht, um Armut zu überwinden. Erst das Zusammenspiel aus fairen Einkommen, verlässlichen Beschäftigungsverhältnissen und einem zugänglichen sozialen Sicherungssystem schafft die Voraussetzungen für wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe.

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Armut wirksam bekämpfen

Armut in Israel ist kein rein finanzielles Problem. Sie entsteht durch das Zusammenspiel wirtschaftlicher, sozialer und struktureller Faktoren und wirkt sich auf nahezu alle Lebensbereiche aus – von Wohnen und Gesundheit über Bildung bis hin zur gesellschaftlichen Teilhabe.

Im Vergleich zu anderen Industrieländern gehört Israel seit Jahren zu den Staaten mit einer vergleichsweise hohen Armutsquote. Der Alternative Armutsbericht macht deshalb deutlich, dass die bisherige Sozialpolitik den Herausforderungen nicht ausreichend begegnet.

Statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen fordert LATET einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Armut. Ziel ist eine langfristige und koordinierte Strategie, die nicht nur die unmittelbaren Folgen von Armut lindert, sondern ihre Ursachen gezielt bekämpft.

Die im Bericht vorgestellten Empfehlungen richten sich sowohl an Menschen, die bereits in Armut leben, als auch an jene, die durch steigende Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Krisen oder andere Belastungen in finanzielle Not geraten könnten. Gleichzeitig zeigen sie Wege auf, wie soziale Ungleichheit verringert und die Chancengleichheit in der israelischen Gesellschaft gestärkt werden kann.

Der Bericht versteht Armutsbekämpfung deshalb als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur wenn Politik, öffentliche Einrichtungen, soziale Organisationen und die Zivilgesellschaft gemeinsam handeln, können langfristig bessere Lebensbedingungen geschaffen und Armut nachhaltig reduziert werden.

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Mitzva e.V.
humanitäre Projekte
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